4. Gruppe

Wie bereits beschrieben, wird das Training mit Gruppen durchgeführt. Daher werden die für das Deeskalationstraining wichtigsten Grundlagen in der Arbeit mit Gruppen dargestellt. Die Grundlagen wurden in der praktischen Durchführung umgesetzt, jedoch in der schriftlichen Darstellung des Leitfadens nicht aufgeführt.

Definition Gruppe

Der Begriff der Gruppe ist nicht eindeutig definiert. Das begründet sich, trotz umgangssprachlicher Allgemeinverständlichkeit, durch die Vielfalt der Gruppen, in denen wir leben. Wichtig ist, dass nicht jede Ansammlung von Menschen als Gruppe definiert werden kann.52

Zum besseren Verständnis werden zwei Definitionen vorgestellt.

Erste Definition: „Eine sozialpsychologische Gruppe ist ein organisiertes System von zwei und mehr Individuen, die so miteinander verbunden sind, dass in einem gewissen Grade gemeinsame Funktionen möglich sind, Rollenbeziehungen zwischen Mitgliedern bestehen und Normen existieren, die das Verhalten der Gruppe und aller Mitglieder regeln.“53

Diese doch etwas allgemeine Definition wird durch eine zweite, die Gruppe im Deeskalationstraining genauer beschreibende, ergänzt.

Zweite Definition: „Eine Anzahl von Menschen bilden dann eine Gruppe, wenn sie gemeinsam geteilte Anliegen und Ziele haben, sowie die Einsicht, diese gemeinsam besser erreichen zu können als allein. Eine Gruppe entsteht im engeren Sinne nur, wenn die einzelnen Mitglieder sich in gewissem Umfange gegenseitig benötigen und benötigen wollen, um ihre Ziele zu erreichen. Eine Gruppe ohne gemeinsames Thema wird keine Gruppe werden.“54

Phasenmodell der Gruppendynamik von Langmaak und Braune-Krickau

Bis aus einer Anzahl von Menschen eine Gruppe entsteht, werden verschiedene Phasen durchlaufen. Die Phasen sind in unterschiedlichen Phasenmodellen der Gruppendynamik festgehalten worden. Die Kenntnis über die verschiedenen Phasen der Gruppendynamik hilft bei der Planung, Begleitung und Auswertung des Gruppenprozesses.55

Das Modell von Langmaak und Braune-Krickau wurde ausgewählt, da es zusätzlich die Aufgaben des Gruppenleiters veranschaulicht. Die weiteren Aufgaben des Gruppenleiters werden in Kapitel 4.5 dargestellt.

Phase 1: Ankommen, Auftauen und sich orientieren

Die Phase ist durch abwartendes und beobachtendes Verhalten, Unsicherheit und der Suche nach Sicherheit gekennzeichnet. Solange sich die Teilnehmer noch nicht akzeptiert und zur Gruppe zugehörig erleben, verhalten sie sich anders als sonst (reden zu laut, sind still etc.). Ein akzeptierendes Klima fördert das Vertrauen der Teilnehmer. Der Leiter des Trainings muss klare und eindeutige Strukturen vorgeben (Regeln festlegen, den Ablauf des Seminars erklären etc.). In der ersten Phase wird dem Leiter die gesamte Verantwortung von der Gruppe übertragen.57

Phase 2: Gärung und Klärung

Sobald die Teilnehmer etwas mehr Vertrauen gefasst und sich an die Situation gewöhnt haben, kann das vorsichtige Abtasten beendet werden. Rollen- und Statusbehauptungen beeinflussen die Gruppe, Rivalitäten beginnen und werden offen ausgetragen, das Konfliktpotential steigt. Konflikte werden oft an den Inhalten der Sachebene ausgetragen (bei Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Vorgehensweise etc.). Die Entscheidungsregeln der Gruppe sind noch nicht erprobt. Der Leiter sollte nicht stellvertretend für sie entscheiden, da die Teilnehmer die Erfahrung, machen sollen, dass es für die Gruppe wichtig ist, Entscheidungsregeln zu finden, Rollen und Funktionen zu verteilen und für alle Mitglieder akzeptable Normen für das Leben miteinander zu schaffen. In der zweiten Phase wird der Leiter insgesamt einer kritischen Betrachtung unterzogen. Das Ziel der Phase ist eine soziale Organisation der Gruppe, wodurch sie zur sachbezogenen Arbeit fähig wird. Neu auftauchenden Konflikten muss der Gruppenleiter immer wieder Raum geben, um eine Stagnation der Fortentwicklung der Gruppe zu vermeiden.58

Phase 3: Arbeitslust und Produktivität

In der dritten Phase entsteht die Offenheit der Teilnehmer für neue und schwierige Arbeitsthemen. Es findet eine konstruktive Beschäftigung mit der Sache selbst statt. Die Gruppe befindet sich in einer Phase relativ stabiler Arbeitsfähigkeit. Das Bedürfnis, Resultate zu erzielen, erhöht die Fähigkeiten und den Energiepegel aller Teilnehmer. Die Gruppenstruktur ist gut entwickelt, es herrschen eingespielte Umgangsformen und die zwischenmenschlichen Beziehungen sind stabiler. Die Phase ist jedoch nicht krisenfrei. Der Leiter muss ständig überprüfen, ob die bisher aufgestellten Rollen, Führungsstrukturen etc., weiterhin von den Gruppenmitgliedern akzeptiert werden bzw. ob sie noch gewollt sind. In der dritten Phase können sich die zwei vorangegangenen Phasen im zyklischen Prozess wiederholen, da jede neue Aufgabe Unsicherheiten wecken kann. Die Gruppe bleibt in Bewegung.59

Phase 4: Transfer, Abschluss und Abschied

Die Abschiedsphase muss bei einer vorgegebenen Dauer des Trainings gut vorbereitet werden: Es ist Zeit, vom Wir (Gruppe) wieder ins Ich (Individuum) zurückzukehren. Zuerst müssen alle Themen, die besprochen wurden, zu einem Abschluss gebracht werden. Danach wird der Transfer der im Training gewonnenen Erkenntnisse und des neu angeeigneten Wissens auf das eigene Arbeitsfeld oder auf zu Hause vollzogen. Generell sollte allen Teilnehmern die zeitliche Möglichkeit bleiben, Verabredungen mit ausgesuchten Mitteilnehmern zu vereinbaren und sich in Ruhe zu verabschieden.61

Lernen in Gruppen

Nachfolgend werden die spezifischen Lernmöglichkeiten im Deeskalationstraining dargelegt.

Definition Lernen

An dieser Stelle werden ausgewählte Definitionen genannt, die sich auf den Themenbereich des Lernens im Deeskalationstraining beziehen lassen. Erste Definition: Lernen ist „die Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotential eines Organismus in einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zurückgeht.“62 Nach der in der Literatur oft zitierten Definition von Bower und Hilgard vollzieht sich das Lernen eines Organismus in Prozessen. Die Definition lässt sich auf das Deeskalationstraining übertragen. Im Rollenspiel können die Studierenden ihr eigenes Verhalten in schwierigen Situationen erkennen. Die Methodik des Trainings ermöglicht den Studierenden eine Veränderung in ihrem Verhalten bzw. Verhaltenspotential durch eigene Erfahrungen.

Zweite Definition: Lernen bezeichnet die „durch Erfahrung entstandene Verhaltensänderungen und Möglichkeiten, die Organismen befähigen, aufgrund früherer und weiterer Erfahrungen situationsangemessen zu reagieren. Menschl. L. ist eine überwiegend einsichtige, aktive, sozial vermittelte Aneignung von Kenntnissen.“63 Die Zweite Definition erweitert die erste im Hinblick auf das menschliche Lernen. Menschliches Lernen benötigt nicht nur verschiedene Erfahrungen, sondern auch die Einsicht, das Verhalten verändern zu wollen. Die Studierenden erhalten im Training die Möglichkeit, ihr Verhalten aktiv zu verändern. Sie können voneinander und miteinander lernen.

Perspektiven des Lernens in Erwachsenengruppen

Lernen findet in jeder Alterstufe statt. Wir lernen als Kinder, Jugendliche und auch als Erwachsene (life-long-learning)64. Die Arbeit in Gruppen spricht verschiedene Perspektiven des Lernens an und ist dadurch als sehr effektiv zu bezeichnen. An dieser Stelle werden jetzt die für das Deeskalationstraining wichtigen Perspektiven benannt.

Individuelle Perspektive

Jeder ist für sein eigenes Lernen verantwortlich. Jeder einzelne Teilnehmer entscheidet mit, ob, was, wann, wie und mit welchem Zeitaufwand er lernen will. Die Gruppe ist mit ihrem sozialen und fachlichen Potential eine Ressource für das Lernen jedes Einzelnen.65 Im Deeskalationstraining besteht das Prinzip der Freiwilligkeit.

Gruppenperspektive

Im Vordergrund stehen der Ausbau und die Gestaltung von Beziehungen, die Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktlösung oder die Reflexion von Spielregeln, welche das Lernen und Arbeiten in einer Gruppe fördern oder behindern können. Lernen in Gruppen ist insbesondere ein Lernen durch Kommunikation und Dialog.66 Im Deeskalationstraining erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, voneinander und miteinander zu lernen.

Handlungsorientierte Perspektive

Die Motivation zum Lernen steigt, wenn wir das, was wir lernen, im privaten Bereich oder im Arbeitsbereich anwenden können (Transfer). Lernen erweitert die Handlungsmöglichkeiten, hilft Probleme zu lösen und neue Einsichten zu gewinnen.67 Das Deeskalationstraining vermittelt praktische und anwendbare Handlungsempfehlungen, die in Gewalt-, Bedrohungs- und Konfliktsituationen angewendet werden können.

Gesellschaftliche Perspektive

Die gesellschaftliche Perspektive des Lernens in Gruppen muss besonders betont werden, da sie auch von manchen Anbietern als Hauptziel verfolgt wird (z.B. Gewaltakademie Villigst und der AGDF). Abraham Maslow, ein Behaviorist und Verhaltensforscher, der sich mit der Gruppenforschung beschäftigt hat, sagte: „Gelingt die Arbeit in einer Gruppe, kann man eine ideale Gesellschaft en miniature erleben.“68 Er glaubt, dass die Gruppe möglicherweise dazu beitragen könnte, die Gesellschaft humaner, großzügiger, freundlicher und sozialer zu machen.69

Verhaltensänderung

Im Deeskalationstraining wird das Verhalten in schwierigen Situationen trainiert. Welche Voraussetzungen dabei beachtet werden, wird im folgenden Kapitel dargestellt.

Zunächst muss der Leiter einer Gruppe dafür sorgen, dass er an den Vorerfahrungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und dem Können der Personen ansetzt, um jede Person so zu motivieren ihr Verhalten zu ändern. Die Motivation ist also eine wichtige Grundlage für das Lernen.

Die Verhaltensänderungen können über mehrere Wege erreicht werden:

  • durch das Sammeln von Erfahrungen und durch Handlungen
  • durch Einsicht
  • durch die Beobachtung (Lernen am Modell)
  • durch positive oder negative Verstärkung
  • durch übung und Training
  • durch Gespräche 70

Die beschriebenen Wege der Verhaltensänderung werden in der Methodik des Deeskalationstrainings angewendet.

Ganzheitliches Lernen

Das ganzheitliche Lernen wurde bereits erwähnt. Was das ganzheitliche Lernen ist und warum es angewendet werden sollte, wird nachfolgend vorgestellt.

Lernen wird durch Prozesse im Gehirn vollzogen. Unser Großhirn ist in eine linke und eine rechte Hemisphäre unterteilt. Jede Gehirnhälfte übernimmt eine spezifische Aufgabe (links rational, rechts emotional). Obwohl das Gehirn in unterschiedliche Aufgabenbereiche unterteilt ist, funktioniert es nur als Ganzes. Beim klassischen schulischen Lernen wird nur die linke Hemisphäre gefördert. Wir lernen jedoch über beide Gehirnhälften.

Ganzheitliches Lernen meint also die Berücksichtigung beider Hemisphären. Das bedeutet, dass der Lernstoff digital (sprachlich, logisch, analytisch), aber auch analog (bildhaft, nonverbal, visuell) aufbereitet werden sollte. Nur wenn beide Hirnhälften angesprochen werden, ist ein optimales Lernen möglich. Zudem muss bedacht werden, dass es Menschen gibt, die eher links dominant veranlagt sind, also leichter mit Zahlen und Symbolen umgehen können und Menschen, die rechts dominant sind, wodurch sie besser auf bildhafte Vorstellungen zurückgreifen können. Folglich muss ein Lernstoff auf diese unterschiedlich veranlagten Lerntypen ausgerichtet werden. Ein Lernerfolg ist also abhängig von der Methode.

Lernende behalten durchschnittlich:

  • 20% von dem, was sie gehört haben
  • 30% von dem, was sie gesehen haben
  • 50% von dem, was sie gehört und gesehen haben
  • 70% von dem, was sie selbst gesagt haben
  • 90% von dem, was sie selbst ausgeführt bzw. selbst mitdenkend erarbeitet haben71

Methoden

Es wird nun dargestellt, in welcher Weise und mit welcher Intention die benannten Methoden des Deeskalationstrainings eingesetzt werden. Zudem werden die aufgeführten Wege zur Erreichung von Verhaltensänderungen in den jeweiligen Unterkapiteln eingeordnet.

Kleingruppenarbeit

In einer Kleingruppenarbeit setzen sich die Teilnehmer kognitiv mit dem Problemfeld auseinander. Sie müssen sich in einer kleinen Gruppe organisieren und Rollen wie z.B. den Sprecher der Gruppe, den Schreiber auswählen.72 Innerhalb dieser Methode ist die Möglichkeit zur Verhaltensänderung durch Gespräche, durch das Sammeln von Erfahrungen durch Handlungen, durch Einsicht und durch positive oder negative Verstärkung gegeben.

Plenumsarbeit

Die Auswertungen von Kleingruppenarbeiten, Reflexionen und Diskussionen werden immer im Plenum mit der gesamten Gruppe ausgeführt. Die Gruppe kann vom Potential einzelner Teilnehmer lernen.73 Durch Gespräche, durch positive oder negative Verstärkung (Feedback oder ähnliches) und durch das Sammeln von Erfahrungen durch Handlungen besteht die Möglichkeit zur Verhaltensänderung.

Spielerische Übungen

Innerhalb der spielerischen übungen (Gruppen- und Paarspiele) werden folgende Themenbereiche behandelt:

  • Die Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit.
  • Die Bedeutung von Körpersprache, Mimik und Gestik.
  • Die Wahrnehmung eigener und fremder Grenzen und der Individualität des persönlichen Sicherheitsabstandes.
  • Das Einfühlen in die Opfer- und Täterrolle.74

Die Möglichkeiten der Verhaltensänderungen können gegeben sein durch das Sammeln von Erfahrungen, durch Handlungen, durch Beobachtung, Übung, Training und Einsicht.

Rollenspiel

In Rollenspielen werden konkrete Konflikt-, Gewalt- und Bedrohungssituationen nachgespielt, die manche Teilnehmer entweder in der Vergangenheit erlebt haben oder zukünftig erleben könnten. Die Rollenspiele sollten zwecks eines besseren Transfers auf die jeweiligen Berufsbereiche, aus denen die Teilnehmer kommen oder in die sie gehen werden, ausgerichtet sein. Oftmals wird den Rollenspielen nachgesagt, dass sie keine wirklich reale Situation entstehen lassen können. Wer sich aber auf Rollenspiele einlässt, kann viele Erfahrungen über sein eigenes und fremdes Verhalten, über seine Wirkungen auf andere Menschen, seine mannigfaltigen Handlungsoptionen usw. sammeln. Zudem können verschiedene Lösungsmöglichkeiten in einem sicheren Rahmen praktisch erprobt werden. Im Anschluss findet immer eine Reflexion statt.75

Innerhalb der Rollenspiele besteht die Möglichkeit der Änderung des Verhaltens durch Übung und Training, Lernen am Modell, Sammeln von Erfahrungen durch Handlungen sowie Einsicht und Verstärkung.

Reflexion

Jede übungseinheit im Deeskalationstraining wird ausgewertet. Wichtige Reflexionsthemen im Training sind:

  • Die Gründe und Hintergründe für eigene und fremde Verhaltensweisen.
  • Der interaktive Austausch darüber, was in den unterschiedlichen Rollen und übungen emotional oder kognitiv erfahren wurde.
  • Der Abgleich zwischen Selbst- und Fremdbild.
  • Die Benennung von unterschiedlichen Gefühlen und Reaktionen bei bewusst veränderten Handlungen.
  • Der Austausch über eigene Erkenntnisse und Einsichten.
  • Die Bewusstwerdung von eigenen Gefühlen, eigenen Bewertungen und eigenem Handeln.
  • Die Diskussion unterschiedlicher Sachverhalte, Meinungen oder Wahrnehmungen.76

Die bestehenden Möglichkeiten der Verhaltensänderung innerhalb der Methode sind gegeben durch: positive oder negative Verstärkung, durch Feedback, Lernen durch Einsicht und durch Gespräche.

Feedback

Eine in verschiedenen Konzepten oft nicht genannte, aber angewandte Methode ist die des Feedbacks. Es soll nicht nur ein Feedback gegeben, sondern auch angenommen werden. Einerseits kann ein Feedback dem Gegenüber vermitteln, welche Wirkung er auf andere Menschen hat. Andererseits kann jemand den übrigen Teilnehmern, aber auch dem Trainer vermitteln, welche momentanen Bedürfnisse bestehen. Zudem kann den Teilnehmern und auch dem Trainer mitgeteilt werden, welche Veränderungen im Verhalten des anderen die Zusammenarbeit erleichtern würde. Innerhalb der Feedbacks sollte von jedem beachtet werden, dass Ich-Botschaften verwendet werden, ausschließlich Verhaltensweisen, aber nicht die Person selbst kritisiert werden, Feedback willkommen ist, Anklagen und Verallgemeinerungen vermieden werden und es kurz, knapp und präzise ist.77 Zudem sollte das Feedback in einer „Sandwichform“ vermittelt werden: Zuerst soll etwas Positives gesagt werden, dann kann Kritik geäußert werden und die abschließende Bemerkung sollte wieder etwas Positives beinhalten. Die Vorgehensweise gewährleistet, dass auch die positiven Bemerkungen gehört werden.78

Die bestehende Möglichkeiten der Verhaltensänderung innerhalb dieser Methode sind gegeben durch: positive oder negative Verstärkung, Lernen durch Einsicht und durch Gespräche.

Blitzlicht

Zu erwähnen bleibt die Methode des Blitzlichtes. Im Blitzlicht teilen die Teilnehmer in zwei bis drei Sätzen ihre Befindlichkeit mit. Durch diese Methode kann immer wieder abgeglichen werden, ob Teilnehmer eine Pause benötigen oder ob eine dynamischere Einheit zur Aktivierung der Gruppe eingeschoben werden sollte.79

Eine Möglichkeit der Verhaltensänderung besteht durch Einsicht und durch Gespräche.

Aufgaben des Gruppenleiters

In den vorangegangenen Kapiteln wurden alle theoretischen Wissensgrundlagen dargestellt, die die Arbeit mit Gruppen betreffen. Gegenstand des folgenden Teils sind die Aufgaben des Gruppenleiters. Seine Aufgaben schließen nicht nur die Vorbereitung und Planung eines Deeskalationstrainings mit ein, sondern auch die Durchführung und Auswertung. Eine intensive und umfassende Vorbereitung sichert den Erfolg des Deeskalationstrainings. Die Aufgaben wurden in die oben genannten drei Bereiche unterteilt, um einen besseren überblick zu ermöglichen.

Vorbereitung und Planung

Im ersten Schritt sollte sich der Gruppenleiter mit seinen Qualifikationen, Interessen, Fähigkeiten, Vorerfahrungen und Vorstellungen auseinander setzen. Die Ergebnisse münden in die Entstehung seiner Angebotsidee. Nachfolgend muss er festlegen, mit welchen Zielgruppen er das Angebot durchführen kann und möchte, welche eigene Zielintention er dabei verfolgt, welche Rahmenbedingungen zur Umsetzung benötigt werden und ob er sich zur Planung und Umsetzung des Konzeptes in verschiedene theoretische Themenbereiche weiter einarbeiten muss.

Nach diesen überlegungen beginnt die intensive Beschäftigung mit der Zielgruppe. Der Trainer muss erheben, ob ein tatsächlicher Bedarf für die Zielgruppe besteht und – auch das ist wichtig – ob die Organisation, die für diese Zielgruppe zuständig ist, über finanzielle Ressourcen zur Bezahlung des Trainings verfügt. Durch die vorher eingeholten Informationen weiß der Trainer auch, mit welcher Institution er arbeiten würde, und ob er mit ihr zusammen arbeiten möchte (z.B. Leitbild der Einrichtung stimmt mit seinem überein).

Danach beginnt die Konzepterarbeitung, die als Grundlage für das Training verwendet wird und bei potentiellen Auftraggebern eingereicht werden kann.

Ein Gruppenleiter sollte sich im Vorfeld bewusst machen, ob er das Training alleine oder mit einer assistierenden Person durchführen möchte. Dabei ist nicht nur die individuelle Entscheidung ausschlaggebend, sondern auch die Finanzierbarkeit. Je nach Gruppengröße ist eine Zusammenarbeit im Team jedoch sehr sinnvoll. Der Partner kann den Leiter entlasten, indem er von außen die Gruppe beobachtet, kurzfristig seine Aufgaben übernimmt, eine Kleingruppe betreut, Auswertungen an dem Flipchart notiert oder in Konfliktsituationen unterstützend intervenieren kann.

Es gibt unterschiedliche Wege zur Herstellung eines Kontaktes zu potentiellen Auftraggebern. Die Auftraggeber können durch Mundpropaganda oder durch Werbung (Internetseite und Flyer) auf das Angebot aufmerksam werden.

Wenn bei einem potentiellen Auftraggeber Interesse besteht, sollte ein persönliches Gespräch stattfinden. Im persönlichen Gespräch sollte der Trainer die Ziele des Auftraggebers einholen, sie mit seinen abgleichen, die Rahmenbedingungen (z.B. Termin, Gruppengröße) besprechen, die finanzielle Seite klären und überprüfen, ob er im Bezug auf seine Vorstellungen und mit denen des potentiellen Kunden übereinkommt. Nur wenn eine übereinkunft erreicht werden kann, sollte ein Vertrag geschlossen werden. Der Gruppenleiter sollte mit der Institution überlegungen zur Auswertung seines Trainings durchführen.80

Im Gegensatz zu anderen Branchen ist der Abschluss eines schriftlichen Vertrages unüblich, auch wenn er mehr Sicherheit für beide Parteien gewährleisten würde.

Durchführung

Zuerst muss der Trainer mit der Gruppe die inhaltlichen Lernziele aushandeln, die vorher mit dem Auftraggeber vereinbarten Ziele vor der Gruppe vertreten und für eine transparente Konfliktlösung sorgen, falls Widersprüche in den Anliegen der Gruppe zum Auftraggeber bestehen. Das kann in einem Vorgespräch mit der Zielgruppe erfolgen.

Danach kann der Trainer den Ablauf erklären, und auf Verhaltens- und Kommunikationsregeln untereinander hinweisen.

Der Gruppenleiter hat in seinem Konzept einen roten Faden erarbeitet, der jedoch eher die Funktion eines Wegweisers erfüllt. Die Flexibilität im Umgang mit der Vorplanung ist gefordert und wichtig. Es können immer auch andere Facetten des Themas ersichtlich werden, die die Gruppe gerne bearbeiten möchte (z.B. Theorie kürzen, um weitere Rollenspiele durchzuführen).

In der Durchführung muss er alle unter Kapitel 4.2 geschilderten Aufgaben berücksichtigen.

Zudem sollte der Trainer sich in der Gruppe erkundigen, ob eventuell körperliche Einschränkungen bestehen, die z.B. eine Teilnahme an bewegungsintensiven Abschnitten erschweren könnten. Der Leiter sollte, gerade in Seminaren, die mögliche Stressfaktoren beinhalten und Krisen bei einzelnen Teilnehmern auslösen können, immer auf auffälliges Verhalten Einzelner achten (z.B. starre Körperhaltung, häufiges Raum verlassen) und intervenieren können. Die Methode des Blitzlichtes kann zur Erfragung der Teilnehmerbefindlichkeit genutzt werden.81

Auswertung

Die Auswertung sollte einen Rückblick des Trainings, ein Feedback, eine Zielüberprüfung sowie eine Erfragung zu Anregungen und Kritik beinhalten. Der Abschluss des Trainings bedarf einer guten Vorplanung und eines guten Timings, um allen Bedürfnissen der Teilnehmer gerecht zu werden, wie bereits im Phasenmodell der Gruppendynamik beschrieben.82

Zusammenfassung

In der Arbeit mit Erwachsenengruppen sind vielfältige Wissensgrundlagen einzuholen und überlegungen durchzuführen. Auf dieser Grundlage wird die Gewährleistung eines erfolgreichen Trainings ermöglicht.

Das Lernen in Gruppen spricht verschiedene Perspektiven an. Gruppen bieten den Teilnehmern vielfältige Möglichkeiten in diesem Bereich. Neben den generellen Lernmöglichkeiten der Gruppe werden im Deeskalationstraining die Verhaltensänderung und das ganzheitliche Lernen angesprochen. Das Lernen wird methodisch unterstützt. Der Trainer muss vielfältige Aufgaben vor bzw. wÄhrend des Trainings und innerhalb der Auswertung berücksichtigen und erfüllen.

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